Arzneitee-Qualität in Hinblick auf den heutigen Anspruch
Wenn in vergangener Zeit Kräuterkundige ihr Wissen über Gewinnung, Zubereitung und Anwendung von Heilkräutern mündlich und praktisch weitergaben, konnte das mitunter auch fatale Folgen haben.
Der verdauungsfördernde Wiesenkümmel sieht dem tödlichen Schierling sehr ähnlich und der von den alten Germanen als heilkräftig verehrte, nach Knoblauch riechende Bärlauch gleicht im Aussehen den stark herzwirksamen Maiglöckchen-Blättern. Verwechslungen und Untermischungen von Pflanzen konnten bei mangelhaften Kenntnissen und fehlenden Vergleichsmöglichkeiten Therapieerfolge schmälern oder gar tödliche Folgen mit sich bringen. Erst durch die Verbreitung gedruckter Bücher mit detailgetreuen Beschreibungen und Abbildungen und mit dem Anlegen von Herbarien konnte man die Heilpflanzen im Selbststudium kennenlernen.

Carl von Linné (1707 bis 1778) widmete sich der Systematik oder Taxonomie (griechisch τάξις táxis Ordnung und νόμος nómos Gesetz) von Heilpflanzen und unterschied Gewächse nach bestimmten Merkmalen. Er teilte die Pflanzenwelt aufgrund von Ähnlichkeiten der Blätter, Blüten, Wurzeln und Früchte in Gattungen und Arten ein und bezeichnete einzelne Pflanzen nun nach einem binomischen System (lat. bis, zwei; nomen, Name) mit zwei lateinischen Namen. Waren vorher Trivialnamen wie beispielsweise „Speik“ für Lavendel üblich, unterschied man nun lavandula officinalis von lavandula latifolia.

Es lauerten jedoch noch weitere, manchmal unsichtbare Gefahren. Wenn Heilkräuter nach der Ernte unsachgemäß getrocknet und gelagert wurden, konnten sie von Schimmelpilzen, Mikroorganismen oder Insekten befallen werden. Metallspuren konnten in einen Teeaufguss gelangen, wenn kupfer-, eisen- oder bleihaltige Vorratsgefäße verwendet wurden.

Heute stehen den Apothekern zahlreiche chemische, instrumentelle und mikrobiologische Analysenmethoden zur Verfügung, mit denen die Identität und die Reinheit der Arzneidrogen untersucht werden kann. Die Qualität der verwendeten Drogen muss jeweils den hohen Anforderungen der Arzneibuchmonographien genügen. Eine Zulassung als pflanzliches Arzneimittel erhält ein Arzneitee nur, wenn die Zulassungsbehörde, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), den medizinischen Nutzen für erwiesen ansieht und ferner, wenn mit der Einnahme keine unvertretbaren Risiken verbunden sind. Mögliche Nebenwirkungen müssen in der Packungsbeilage genau beschrieben werden. Durch fortschreitende Analysentechniken können inzwischen Verunreinigungen, wie Schwermetalle, Pestizide, Mikroorganismen oder ganz aktuell auch Pyrrolizidinalkaloide, die aus Boden, Umwelt bzw. über Unkräuter in das Erntegut eingeschleppt werden, auch in winzigen Spuren nachgewiesen werden. Der Aufwand, der mit der Qualitätskontrolle von pflanzlichen Arzneimitteln verbunden ist, liegt damit um ein Vielfaches höher als in vergangenen Zeiten. Experten des BfArM, des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), europäischer Institutionen und Hersteller pflanzlicher Arzneimittel sind in beständigem Austausch von Informationen, um mögliche, aktuell bekannt gewordene Kontaminanten zu bewerten und Maßnahmen zur Risikominimierung festzulegen. Insbesondere soll die dauerhafte Einnahme von unerwünschten, subakut oder chronisch toxischen Stoffen wirksam verhindert werden.
Medien und Internet berichten immer wieder und bisweilen leider auch unreflektiert über vermeintlich gefährliche Lebensmittel- oder Arzneitees. Wir nehmen alle Befunde und Warnungen sehr ernst und stellen uns mit aller Kraft neuen Herausforderungen, um in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten die im Vergleich zum medizinischen Nutzen abzuwägenden Risiken der bewährten H&S Arzneitees kleinstmöglich zu halten. Daher haben wir in vielen Fällen, die uns bekannt wurden, Erfolge zur Verbesserung erzielen können.



Ihr H&S Apotheken-Team

» Zurück