Arzneibuchqualität - Teeaufguss mit Filterbeutel oder loser Ware
Schon in der Antike verabreichten Ärzte den Kranken pflanzliche Zubereitungen. Wenn Heilpflanzen frisch oder getrocknet mit Wasser, Wein oder „Oxymel“, einem mit Honig zubereiteten Weinessig, ausgezogen und über Tücher abgeseiht wurden, entstand ein Heiltrank, der zurecht als eine der ältesten oralen Arzneiformen der Welt gelten kann.

Arzneiteeaufgüsse enthalten zahlreiche wertvolle, pflanzliche Naturstoffe, deren Wirkungsspektrum breiter und vielschichtiger ist als das jeweils einzeln aus Pflanzen isolierter Wirkstoffe. Die Menge und Zusammensetzung an pflanzlichen Inhaltsstoffen, beispielsweise ätherisches Öl, Schleim, Flavonoide oder Bitterstoffe, die eine Heilpflanze natürlicherweise „biosynthetisiert“, darf nur innerhalb der Bandbreiten der jeweiligen Arzneibuchmonographie schwanken und ist außer von der Pflanzenspezies auch jeweils abhängig vom Standort, dem Angebot an Nährstoffen, Wasser und Klima, dem die Pflanze während des Wachstums ausgesetzt war. Die Vier-Elemente-Lehre des griechischen Naturphilosophen Empedokles (etwa 495 bis 435 v. Chr.), der Wasser, Feuer, Erde und Luft als die Urstoffe jeglichen Seins ansah, spiegelt sich somit in indirekter Weise in unseren wertvollen Naturprodukten wieder.

Pflanzliche Arzneimittel wie Arzneitees werden bei der Zulassung bzw. Registrierung etwas anders bewertet als chemisch definierte Arzneimittel, die mit genauen Mengenangaben der Wirkstoffe ein bestimmtes Dosis-Wirkungs-Profil zu erfüllen haben. Die Wirksamkeit eines klassischen Arzneimittels wird mit klinischen Versuchen belegt. Bei pflanzlichen Arzneimitteln kann der medizinische Nutzen für ganz bestimmte und festgelegte Indikationen auch über eine ununterbrochene und jahrzehntelange Tradition innerhalb der Europäischen Union belegt werden.

Was den Nachweis der Unbedenklichkeit und Qualität anbelangt, werden bei Phytopharmaka jedoch die gleichen Maßstäbe wie bei allen Arzneimitteln angelegt. Studien und Literatur zur Toxizität sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ebenfalls einzureichen und die Analysenmethoden, die zur Prüfung von Ausgangsstoffen und Fertigarzneimitteln verwendet werden, haben strengen Kriterien zu entsprechen.
Ein Kräutertee, der eine Zulassungsnummer oder eine Registrierungsnummer als Kriterium für ein zugelassenes Arzneimittel aufweist, hat ein sehr komplexes und aufwändiges Genehmigungsverfahren des BfArM bestanden. Die geernteten Pflanzen werden durch schonende Reinigung und Trocknung zur Rohdroge. Daraus entsteht dann durch Zerkleinerungs- und Siebschritte der pflanzliche Wirkstoff in der  erforderlichen Feinheit, der entweder in Teefilterbeutel oder als „lose Ware“ in Beutel oder Dosen abgefüllt wird.

Teefilterbeutel sind einfach und praktisch in der Handhabung, da sie bereits vordosiert sind und nach der in der Gebrauchsinformation vorgegebenen Ziehzeit unkompliziert aus dem Teeaufguss entfernt werden können. Die Schnittgröße der Drogen ist bei einer Teebeutelabfüllung im Allgemeinen feiner als bei einer losen Ware, die mit etwas gröber geschnittenen Arzneidrogen hergestellt wird. Die Inhaltsstoffe eines feiner geschnittenen Tees werden beim Teeaufguss leichter und rascher extrahiert. Flüchtige Inhaltsstoffe wie ätherische Öle können jedoch bei längerer und insbesondere bei zu warmer Lagerung durch den Filterbeutel hindurch allmählich verdunsten und damit verloren gehen. Dem wird durch die luftdichte Einzelverpackung der Teebeutel in versiegelte Umbeutel aus aromadichtem Material entgegen gewirkt.

Lose Ware in Dosen wird außer für Teeaufgüsse zum Einnehmen gerne verwendet zur Herstellung größerer Mengen von Umschlags- oder Inhalationslösungen. Die Dosen sollen nach der ersten Entnahme des Arzneitees jeweils wieder gut verschlossen und nach Anbruch zügig verbraucht werden, insbesondere um einen Verlust von ätherischem Öl zu vermeiden.



Ihr H&S Apotheken-Team

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