Der Frauenmantel Alchemilla vulgaris aus der Pflanzenfamilie der Rosaceae, ist eine etwa 50 Zentimeter hohe krautige Pflanze, die nährstoffreiche, leicht feuchte Böden bevorzugt. Sie wächst auf Weiden und halbschattigen Wiesen, an Bachufern und Waldwegen. Gerne werden sie auch als Bodendecker unter Bäumen und auf schattige Staudenbeete gepflanzt.

Dass Frauenmantelkraut die Aufmerksamkeit der Menschen weckte, hängt wahrscheinlich auch mit den silbrig glänzenden Tröpfchen zusammen, die aus wasserabscheidenden Drüsen, den sogenannten Hydathoden, des Blattrandes austreten und dann am Grund des schalenförmigen Blattes zu einem glänzenden Tropfen zusammenlaufen, der an Morgentau erinnert. Auf diese einzigartige Tropfenbildung beziehen sich beispielsweise die volkstümlichen Namen „Tauschüsselchen“ oder „Taublatt“. Weil Tautropfen auch heute noch häufig mit Vorstellungen von Reinheit, Unverfälschtheit und Schönheit assoziiert werden ist verständlich, warum man von der - für das Frauenmantelkraut typischen - Tropfenbildung, der Guttation, besondere Wirkkräfte für das weibliche Geschlecht ableitete. In der nordischen Mythologie widmeten die alten Germanen das Frauenmantelkraut Freya, der Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit. Heilkundige Frauen empfahlen das Heilkraut zur Stärkung schwangerer und gebärender Frauen und zur Linderung gynäkologischer Leiden.

Aber auch die charakteristisch handförmig gelappten Blätter erregten das Interesse der Menschen. Die Blätter besitzen eine feine Fältelung, die an einen schützenden Umhang oder Mantel erinnern. Der Name Frauenmantel leitet sich wohl von dieser Ähnlichkeit ab und ist seit dem Mittelalter gebräuchlich. Aus dieser Zeit stammt auch der volkstümliche Name „Marienmantel“. Die englische und französische Bezeichnung „Lady’s mantle“ und „Manteau de Notre-Dame“ verweisen ebenfalls auf die Jungfrau Maria und zeigen, dass eine heidnische Göttin mit christlichem Glauben verschmolz.

Die ersten schriftlichen Überlieferungen des Frauenmantelkrauts als Heilpflanze stammen aus dem Mittelalter. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) empfahl es gegen Geschwüre und in den Kräuterbüchern der Frühen Neuzeit wird Frauenmantel meist als Wundkraut beschrieben.

Frauenmantelkraut enthält eine größere Menge an natürlichen, pflanzlichen Gerbstoffen. Chemisch gesehen handelt es sich um Polyhydroxy-Phenole, deren Hydroxygruppen zwischen den Proteinen Quervernetzungen ausbilden. Die Wirkung von Alchemillae herba beruht im Wesentlichen auf den adstringierenden (zusammenziehenden) Effekten der Gerbstoffe. In  dem Adstringentien mit dem Eiweiß des Gewebes reagieren und eine fest zusammenhängende oberflächliche Membranbilden, dichten sie die obersten Zellschichten ab und hemmen dadurch die Sekretion aus entzündetem Gewebe.

Gerbstoffe wirken mild antibakteriell, was ihren früheren Einsatz als äußerlich anzuwendendes Wundkraut erklärt. Diesen Effekt kann man aber auch heute noch für Teilbäder wie Fußbäder oder Sitzbäder, sowie für Mundspülungen nach Zahneingriffen ausnutzen. Ebenso wie Aufgüsse von schwarzem Tee oder Brombeerblättern wird Frauenmantelkraut mehrmals täglich bei unspezifischen Durchfallerkrankungen eingenommen.
Zu beachten ist jedoch, dass die Behandlung bei Säuglingen und Kleinkindern nur nach Rücksprache mit einem Arzt vorgenommen werden darf.


Ihr H&S Apotheken-Team

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