Lateinischer Name
Harpagophytum procumbens DC.

Deutscher Name
Die aus dem Süden Afrikas stammende Pflanze Harpagophytum procumbens wird im deutschen Sprachraum als Teufelskralle bezeichnet und sollte nicht mit den vorwiegend in den europäischen Alpen wachsenden, ebenfalls Teufelkralle genannten Pflanzen der Gattung Phyteuma verwechselt werden. Während die europäischen Teufelskrallen allesamt zu den Glockenblumengewächsen (Campanulaceae) gehören, ist die afrikanische Teufelskralle ein Mitglied der Familie der Sesamgewächse (Pedaliaceae).

Englischer Name
Diese afrikanische Teufelkralle ist im englischen Sprachraum auch unter Devil's Claw bekannt.

Volkstümlicher Name
Trampelklette

Namensursprung
Ihren etwas unheimlichen Namen trägt die Pflanze aufgrund ihrer krallenartigen, verholzten Kapselfrüchte, deren Widerhaken sich im Tierfell verfangen und somit zur Verbreitung der Pflanze beitragen. Medizinisch verwendet werden jedoch ausschließlich aus die Wurzeln (Harpagophyti radix).

Familie / Systematik
•    Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
•    Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
•    Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
•    Familie: Sesamgewächse (Pedaliaceae)
•    Gattung: Harpagophytum
•    Art: Afrikanische Teufelskralle

Kurzbeschreibung / Botanische Beschreibung
Die krautige Pflanze wächst auf sandigen Böden in heißem Klima, entwickelt während der Regenzeit bis zu 1,5 Meter lange, am Boden liegende Triebe mit hellrosa bis purpurroten Blüten.

Verbreitung
Die auch Teufelskralle genannte Harpagophytum procumbens ist vorwiegend in Namibia, Südafrika und Botswana beheimatet.

Wildsammlung
Die afrikanische Teufelskralle wird überwiegend wildwachsend gesammelt, da eine Kultivierung außerhalb Afrikas sehr schwierig ist.

Sammler
Gesammelt werden die Pflanzen vorwiegend von den nomadischen Buschvölkern nahe der Kalahari-Gebiete, die die Teufelskralle einerseits als traditionelle Medizin zum Eigenbedarf nutzen, aber andererseits damit auch Ihr Einkommen erzielen. Für die Teufelskralle wird seit einiger Zeit die nachhaltige Wildsammlung in einem Modellprojekt ausgetestet. So lernen Sammler in Namibia durch finanzielle Unterstützung der EU und europäischer Importeure eine arterhaltende  Methode: Sie lassen die Hauptwurzel der Teufelskralle unversehrt und ernten nur die weit verzweigten Nebenwurzeln. Ist der Sammler mit einer Pflanze fertig, schüttet er das gegrabene Loch wieder zu. Die Teufelskralle kann sich erholen und in vier bis fünf Jahren wieder neue Wurzeln liefern. Nur kontrolliert nachhaltige Wildsammlung der Teufelskralle sichert langfristig die natürlichen Bestände und sind somit wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Artenschutzes.

Anbaugebiete (Testanbau)
Teufelskrallen besiedeln die Savannen in den trockenen Kalahari-Randgebieten. In diesen Gebieten fällt nur 100-300 mm Regen pro Jahr. Da die Pflanzen Feuchtigkeit in ihren gewaltigen Wurzeln speichern, bilden sie gleichzeitig eine Nahrungs- und Wasserreserve für Nutz- und Wildtiere. Versuche, die Pflanzen außerhalb Afrikas zu kultivieren, scheiterten bislang.

Erntezeit
Die Haupterntezeit liegt zwischen Februar und Mai, also nach dem Austreiben, da die Teufelskrallen nur dann auch oberirdisch sichtbar sind.

Geschichte
Der therapeutische Einsatz der Teufelskralle in Europa bzw. zunächst in Deutschland lässt sich auf den deutschen Schutztruppen-Soldaten und späteren Farmer Mehnert zurückführen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem afrikanischen Heilkundigen die Anwendung der Wurzel bei verschiedenen Beschwerden erlernt haben soll. Die wissenschaftliche Erforschung der in der afrikanischen Volksmedizin verwendeten Teufelkrallenwurzel begann ab 1937,  nachdem der Würzburger Botanikprofessor Otto Heinrich Volk (1903–2000) eine Forschungsreise in Südwestafrika (Namibia) unternommen hatte. Der Jenaer Universitätsprofessor Bernhard Zorn (1891–1958) war der erste Arzt, der in einer Fachzeitschrift über die antiarthritische Wirksamkeit der Harpagophytum-Wurzeln berichtete.

In den letzten Jahrzehnten erlebte Teufelskrallenwurzel zunehmende Beachtung, da sie eine sehr wirksame und gleichzeitig schonende Alternative in bestimmten Anwendungsbereichen zu chemisch hergestellten Arzneimitteln darstellt.

Handel
Deutschland ist der Hauptimporteur der wild gesammelten Teufelskralle. Sie stammt dabei zumeist aus Namibia, Botswana und Südafrika, wobei Namibia als Hauptausfuhrland gilt.

Angewandter Pflanzenteil
Geerntet werden hauptsächlich die hochwirksamen Nebenwurzeln der Pflanze (Sekundärwurzeln), so dass die weniger wirksame Hauptwurzel für den Weiterbestand der Pflanze sorgen kann.

Inhaltsstoffe
Die in diesen Wurzelteilen enthaltenen Inhaltsstoffe sind hauptsächlich Iridoidglykoside, darunter Harpagosid, Harpagid und Procumbid, ein Phytosteringemisch, Phenylpropanoide wie Acteosid, Triterpene, Flavonoide, ungesättigte Fettsäuren, Zimtsäure, Chlorogensäure, Beta-Sitosterol, Glutamin-Säure, Histidin, Kaempferol, Selenium, Sterol, Ursol-Säure.

Wirkung
Dies Inhaltsstoffe der Teufelskralle wirken in ihrer gesamtheitlichen Kombination entzündungshemmend, abschwellend, schmerzlindernd, verbessern die Beweglichkeit und helfen bei Verdauungsbeschwerden durch die Förderung der Magensäure- und Gallenproduktion.

Behandelbare Symptome
Teufelskralle wird in folgenden Anwendungsbereichen eingesetzt: Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Gallenbeschwerden, Leberschwäche, Nierenschwäche, Wechseljahrsbeschwerden, den Eisprung fördernd, Arthrose, entzündliche Gelenkbeschwerden, Ischias, Hexenschuß, Rückenschmerzen, rheumatische Erkrankungen, Sehnenentzündungen, Ekzeme, Schuppenflechte, Gesichtsrose, Erysipel, Gürtelrose.

Gegenanzeigen
Auch bei natürlichen Wirkstoffen kann es zu Nebenwirkungen kommen. Im Falle der Teufelskralle sind diese aber äußerst selten, beispielsweise Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Sehr selten kommt es zu Überempfindlichkeitsreaktion wie Hautausschlag, Nesselsucht, Gesichtsschwellung. Bei vorliegenden Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren und bei Diabetes mellitus sollte auf die Einnahme verzichtet werden. Schwangere und Patienten mit Herz-/Kreislauferkrankungen sollten ebenfalls erst nach Rücksprache mit dem Arzt eine Behandlung beginnen.

 

Literaturverzeichnis
http://www.heilkraeuter.de/lexikon/teufelskralle.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Harpagophytum_procumbens
•    B. Zorn: Über die antirheumatisce Wirkung der Harpagophytum-Wurzel. In: Dtsch. Rheumaforschung. 17( 1958), S. 134.
•    C. Hansen: Die Afrikanische Teufelskralle – Voo. In: DAZ (2000), S. 85.
•    Sigrun Chrubasik, Elena Neumann, Ulf Müller-Ladner: Zur antientzündlichen Wirksamkeit von Arzneimitteln aus der Teufelskralle. In: Zeitschrift für Phytotherapie, Vol. 30 (2009), S. 222-226.

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